gästeliste.de schreibt:
Glück im Osten

Erdmöbel

Berlin, Magnet
30.04.2003
Eigentlich hätte man erwarten dürfen, dass die formidablen Erdmöbel aus Köln vor weniger zahlreichem Publikum spielen würden und das Schicksal so mancher großartigen Band teilen: Tolle Musik, aber wenig Zuhörer. Doch scheinbar hat es sich nicht nur in die Redaktionsstuben der Musikjournalisten herumgesprochen, wie großartig diese Band live ist. Spätestens mit dem neuen Longplayer "Altes Gasthaus Love" dürften sich Erdmöbel als feste Institution in Sachen deutschsprachiger Popmusik etabliert haben. Der Berliner Magnet Club war jedenfalls mehr als gut gefüllt und die Kölner um Markus Berges und Ekki Maas spielten ein wunderbares Set.
Im Vordergrund standen erwartungsgemäß die Songs des neuen Albums. Besonders die neue Single "In den Schuhen von Audrey Hepburn" wusste voll zu überzeugen. Auch "Die Devise der Sterne" oder "Mit dem falschen Schatz in Venedig" klingen live traumhaft. Und erst "Der blaue Himmel"! So wunderbar groovy und Sänger Markus Berges sieht irgendwie aus wie der deutsche Rivers Cuomo. Nerd-Musik! Glücklicherweise kommen aber auch ältere Stücke zu ihrem Recht. Schließlich haben Erdmöbel ja bereits vier Alben draußen. Das Publikum ist jedenfalls begeistert bis ekstatisch und feiert jedes Stück. "Dreierbahn" vom Debüt "Das Ende der Diät" oder die zwei heimlichen Erdmöbel-Mega-Hits, wenn man so sagen will, die auf der vorletzten Scheibe namens "Erste Worte nach Bad mit Delfinen" zu finden sind. "Wette unter Models" und "Tätowiert von innen" sind sowohl textlich als auch musikalisch echte Knaller. Deutschsprachiger Indie-Pop muss nicht immer verquast sein wie bei Blumfeld oder belanglos wie man das leider all zu oft erleben kann. Erdmöbel beweisen, wie man eigenständig sein Ding macht. Groovy, gerne mit elektronischen Einsprengseln und immer wieder mit diesen wunderbaren Songtiteln, die man so im deutschsprachigen Raum kein zweites Mal findet! An diesem Abend wurde all dieses zum Glück mit frenetischem Beifall geehrt. Zu Recht. Hoffentlich bald wieder!

Text: -Carsten Wilhelm-