Ich bin ein Ignorant, aber kein Idiot. Vor dem Anruf von Redakteur Volkmann ("Das könnte dir gefallen") hielt ich als Letzter noch Erdmöbel für 'ne Dark-Wave-Band aus den neuen Bundesländern, so eine Art Goethes Erben. Weit gefehlt! Wiederholt gehörte 43 Minuten später bin ich begeistert, und nach etwas Blättern im Internet weiß ich mehr über Ekki Maas und Markus Berges, die zusammen und solo schon einiges auf die Beine gestellt haben, nicht zuletzt ein Album mit dem schönen Titel "Erste Worte Nach Bad Mit Delfinen". Und jetzt "Altes Gasthaus Love" - oijoijoi! Die Musik von Erdmöbel sitzt zwischen so ziemlich allen bekannten Stühlen, hat elektronisch-repetitive Momente, aber häufiger recht unpoppige, originell arrangierte Oldschool-Liedermacher-Attitüde, erinnert mich bei meinem Lieblingslied "Die Devise Der Sterne" irgendwie an Prefab Sprout zu Zeiten von "Steve McQueen" (inklusive einer kleinen Verbeugung vor Thomas Dolby). Leider habe ich bereits Anfang der 90er alle meine PS-Platten verkauft und kann so keine tiefer gehenden Vergleiche wagen. Andere Lieder klingen nach dieser Art künstliche Popmusik, wie wir sie von Van Dyke Parks kennen und lieben. Die Erzählung mit Musik, "Busfahrt", erinnert an die leider untergegangene "Summer Games" von Kirmes: "Das fiel mir ein, als ich ausstieg." Dieser wunderbare Shuffle von "In Den Schuhen Von Audrey Hepburn" lässt mich darüber nachdenken, wie diese englische Band hieß, die vor Jahrzehnten mit "Perfect" einen Hit hatte. Fairground Attraction! Und erst die Texte! Herrlich, sprachmächtig, originelle Bilder, treffend beobachtet: Das nächtelange Durchlachen in Vergnügungslokalen mit Weinzwang ist da nur der oberflächlichste Reiz. Bestes Beispiel für das Potenzial von Erdmöbel ist vielleicht das Lied "Anfangs Schwester Heißt Ende" mit seinen Loops, seinen Bläserlinien und der konsequent dagegengehaltenen Fahrstuhl-Metaphorik des Textes: moderne Fahrstuhlmusik unter Paternoster-Bedingungen. Hey, das Erdmöbel hier ist von spektakulär-unaufgeregter Meisterschaft.