Erdmöbel
Fotoalbum
(Tapete / Indigo) [25.02.04]
2003 war ein Erdmöbel-Jahr: Ihr ›Altes Gasthaus Love‹ war ein gefeierter Neuanfang abseits der Melancholie, für die sie zuvor bekannt waren, und gilt bei Kritikern und Fans als ihr bestes Album. Den großartigen Sommer und die gute Stimmung nach ihrer erfolgreichen Tournee haben Erdmöbel im Herbst eingefangen, indem sie an drei Tagen ihr Live-Programm ohne Overdubs, Effekte und Gäste noch einmal live einspielten. Wer es noch nicht weiß: Die Erdmöbel sind auf keine School gegangen. Weder Alster noch Spree noch of Rock. Dementsprechend haben sie auch keine Wut auf Lehrer, keine Kloppereien mit Mitschülern, keine Pausenhof-Diskurse und keine Jugendbewegung. Ein abgeschlossenes System also, das sich nur selbst remixt und mit ›Fotoalbum‹ schon zum zweiten Mal einen Schnappschuss zwischen den regulären Platten veröffentlicht. Auf diesem auf nur 1000 Exemplare limitierten Interimsalbum klingt ihr eigenartiger Kammerpop noch entspannter, spielfreudiger und organischer als auf dem Effekt-strotzenden ›Altes Gasthaus Love‹, von dem sich ganze sieben Songs auf ›Fotoalbum‹ finden. Auch bei den älteren Stücken funktionieren die neuen Versionen hervorragend, und es ist eine helle Freude, Markus Berges’ schratige Poesie und Ekki Maas’ Akustikgitarre zu den pluckernden Beats und der Wurlitzer-Orgel plaudern zu hören. ›Fotoalbum‹ ist nicht nur ein gelungenes Live-Best-of, sondern auch das entspannte Spätsommer-Radler im Biergarten mit den verschrobenen Freunden und der hübschen, aber etwas verpeilten Kellnerin.

Autor: Alexander Lazarek