Haltbar sind sie, diese Erdmöbel: das musikalische Bestattungsunternehmen aus Köln schickt einen neuen Prototyp, der den Traditionswert der eingesessenen Firma wieder einmal unterstreicht.

Für die wissen wie

Steter Tropfen höhlt den Stein, was lange währt, wird endlich gut, wer kann, der kann. Binsenweisheiten aus der Vulgär-BWL, die Marcus Berges alias Erdmöbel wohl nur unterschreiben könnte, aber doch, wohl aufgrund der sprachlichen Ungeschmeidigkeit, niemals unterschreiben würde. Mit Zeilen wie "Ich heule nicht, sondern jauchz, heule nicht sondern rufe Yippie" schreibt und singt sich Berges samt musikalischem Gefolge seit knapp 15 Jahren langsam aber sicher in die Herzen deutscher Musikfreunde. Mit dem Vorgängeralbum "Altes Gasthaus Love" gab's denn auch schon mehr als den gezogenen Hut der Indiepresse mitzunehmen. "Für die, die nicht wissen wie" ist ein weiterer Schritt nach oben, nicht nur, was die Karriereleiter angeht, sondern auch die holde Kunst: selten klang ein deutsches Album so abwechslungsreich, vielschichtig, auskomponiert und dabei so rund.

Am Arsch Welt, kannst Du mich kaputtschlagen

So hätte, hört man munkeln, das Album des Kölner Quartetts eigentlich heißen sollen. Schön wäre das nicht gewesen, auch nicht verkaufsfördernd, aber gepasst hätte es doch. Nimmt Marcus Berges die Ideen für seine Texte doch ganz offensichtlich aus den Abgründen der menschlichen Seele, die nicht selten unberücksichtigt wieder ausgeschieden werden. Veredelt mit passgenauer Semantik, aber wichtiger noch mit stimmigen musikalischen Arrangements, wird dann auch das neue Erdmöbel-Album nicht zur kopflastigen Denkerplatte, sondern zu einem ebenso dichten wie originellen Klangerlebnis. Posaunen, Synthesizer, Höfnerbässe und Akustikgitarren gint es in einträchtiger warmer Klangfarbe zu hören. Griffige Hits ("Für die nicht wissen wie", "Russisch Brot"), geistig verbrämte an Air erinnernde musikalische Höhenflüge ("Ich wollte die Welt ginge immer nur bergab") und kleine Pophymnen wie "Aupair Girl" deuten an, wohin diese Band noch gehen kann. Letztere Nummer war übrigens für Katja Ebstein vorgesehen, die dankend abgelehnt haben soll. Die Katja, die hatja wohl... Und last but not least sei hier Erdmöbels eigentümlich gelungene Coverversion der Carpentersnummer "Close To You" (geschrieben von Burt Bacharach) erwähnt, die zeigt, dass manch einer eben doch darf, was eigentlich keiner soll. Die Erstauflage von "Für die nicht wissen wie" ist übrigens als Doppel-CD mit Live-Bonus und üppiger Videosection erschienen