Platte der Woche

KW 36/2005

Neues von einem ewigen Geheimtipp. Von einer Band, die sich von Album zu Album steigert, sich immer wieder neu erfindet und doch nie die Aufmerksamkeit bekam, die ihr gebührt. Die Rede ist von Erdmöbel. Es dürfte wenige Bands in Deutschland geben, die so eigenständig "ihr Ding" durchziehen wie diese wunderbare Band aus Köln. Und dabei klingen sie nie gleich! War ihr letztes Album "Altes Gasthaus Love" noch Pop, der eine klare Richtung suchte, so haben Ekki Maas und Markus Berges diese auf "Für die nicht wissen wie" klar gefunden: Die 60er. Denen huldigen Erdmöbel in Form zweier Coverversionen von Burt Bacharachs "(They Long To Be) Close To You" und Henry Mancinis "Nothing To Lose". Allein schon die augenzwinkernde Übertragung dieser beiden Stücke ins Deutsche lohnt die Anschaffung dieser Scheibe. Aber auch sonst haben Erdmöbel gepflegte Lässigkeit am Start.

Erdmöbel erzählen kleine Geschichten von den Dingen dazwischen, von Russischbrot, Eidechsen und dem schwerelosen Leben eines Au-Pair-Girls. Dabei gelingen den Jungs Bilder von trauriger Schönheit. In "Ich wollte, die Welt ginge immer bergab" heißt es:"...uns trägt der Luftkurort Davos und Polens Lohnniveau wie unsere Schlitten sind wir beide made in Anderswo." Musikalisch aufwendig, doch nie zu dick aufgetragen kommen die Stücke daher, Klavier, Posaune und das seltsam leichte Schlagzeugspiel kreieren etwas wirklich Eigenes, trotz aller Zitate. Erdmöbels Welt geht mit diesem großartigen Album sicherlich nicht bergab. Im Gegenteil. Begeisterung ist angesagt. Wenn es fair zuginge, demnächst in größeren Clubs.



-Carsten Wilhelm-