Erdmöbel - Für die nicht wissen wie

Erdmöbel ist das ostdeutsche Wort für Sarg, das Quartett stammt jedoch aus Köln. Und genau diese kleinen, nicht immer aufzulösenden, Widersprüchlichkeiten, die sich in der Musik und den Texten von Erdmöbel fortsetzen, sind der Grund, warum die Band auch mit ihrem vierten Album "Für die nicht wissen wie" immer noch zu den spannendsten in Deutschland gehört.

Von Stefan Weber

Der Opener, gleichzeitig auch Titelsong, ist unpeinliche Mutmach-Hymne und anrührendes Liebeslied zugleich. Er nimmt den Hörer mit seinem sanft-federnden 60er-Jahre-Pop freundlich in die Arme, nur um ihn im darauf folgenden "Au Pair Girl" unsanft in den grauen Alltag eines Frühstückskellners mitzunehmen. Die Ansprüche gesenkt, wünscht sich Sänger und Texter Markus Berges dann - verpackt in einen elektronischen Shuffle - ein "Lied über gar nichts". Kurz darauf folgt die Beschreibung einer Schlittenfahrt über einer scheinbar endlos geloopten Akustikgitarre und einer atonalen Posaune, in der weder traurig noch melancholisch, sondern mit einer seltsamen Lakonie festgestellt wird: "Ich wollte, die Welt ginge immer bergab", um dann den eingängigsten Popsong des Albums "Russischbrot" folgen zu lassen, der allerdings abrupt nach zwei Minuten beendet wird.

Eine der wenigen Gewissheiten des Albums ist die Coverversion von Burt Bacharachs "Close To You", das von Berges kongenial ins Deutsche übertragen und zum wunderbar sparsam arrangierten "Nah bei dir" wird. Ansonsten gibt's weitere Widersprüchlichkeiten und Seltsamkeiten: eine Bearbeitung eines Gottfried-Keller-Gedichts namens "Eidechse", ein Liebeslied, in dem die Augen der Angebeteten "wie Elektrotechnik auf Gibraltar funktionieren" und das den ungewöhnlichen Titel "Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen" trägt, sowie mit "Nichts zu verlieren" eine weitere Coverversion, in diesem Fall von Henry Mancinis "Nothing To Lose". Fazit? Ein schillerndes Gefühls-Kaleisdoskop, das vielleicht nicht jedermanns Sache ist, bestimmt aber großes Pop-Verständnis, das mit sanfter Elektronik umzugehen weiß und ganz eindeutig: unvergleichlich - im besten Sinne des Wortes.

Bewertung: Ausgezeichnet