Kaum eine deutsche Band erfindet ihren Sound so oft neu wie die Kölner Erdmöbel: erst Gitarrenrock, dann Chanson und Elektronik-Pop. Jetzt 60s-Pop - reich an lässiger Perfektion, erwachsener Sonntagsmelancholie und zwinkerndem Trotz. "Am Arsch, Welt, Kannst Du Mich Kaputtschlagen", singt Markus Berges und wünscht sich "Ein Lied Über Gar Nichts", aber eigentlich singt er über Dinge, denen "man schwer einen Namen geben konnte", und zwar "Für Die Nicht Wissen Wie". Über Dinge also, die oft übersehen oder nur ungenau befloskelt werden: Eidechsen, Schiffschaukelbremser, Russischbrot und natürlich Liebe. Man muss sich in seinen eleganten Texten verlaufen und in deren poetischem Irgendwo vieles entdecken, was man nicht unbedingt vermutet hatte unter einem "Himmel, lichterloh in den Farben aller Hauptsponsoren". Auf "Für Die Nicht Wissen Wie" haben die Erdmöbel die Loops von "Altes Gasthaus Love" weit in den Hintergrund geschoben und ihren unprätentiösen Pop mit einer satten 60er-Jahre-Grundierung aus Klavier, Bass und Posaunen noch mal neu aufpoliert: spätsommerlich strahlend, noch leichter als auf dem Vorgängeralbum, schön und eigen "wie ein von der ganzen Welt vergessenes Au Pair Girl". Es braucht einigen Mut, federleichte Pop-Klassiker wie Burt Bacharachs "(They Long To Be) Close To You" und Henry Mancinis "Nothing To Lose" auf Deutsch zu covern, und tatsächlich gelingt es den Erdmöbeln, "Nah Bei Dir" und "Nichts Zu Verlieren" wie eigene Originale klingen zu lassen. Auch die anderen zehn neuen Songs glänzen mit Drive, Beat, Timing und Stilwillen. Und sagen dabei: "Easy, Baby." Was es sonst noch zu sagen gibt? Hier steht's:

Ihr erfindet euren Sound häufig neu. Wie kam es dazu, dass ihr nach dem loop- und elektronikreichen "Altes Gasthaus Love" jetzt ein Album mit starkem 60er-Einschlag gemacht habt?
Ekimas: Ich bin vom Gitarristen zum Bassisten aufgestiegen, hatte einen Höfner-Bass, und ein Freund hat mir eine Mix-CD mit Paul McCartney aufgenommen, der daraufhin nicht länger in Ungnade verbleiben musste. Viel vom Sound des neuen Albums lebt vom melodiösen Bassspiel. Die 60er sind produktionsseitig sicher ein bedeutender Einfluss. Damals war, was alle Popmusiker heute schon so lange machen, neu und atmete den Geist des Unerhörten, vielleicht sogar Revolutionären. Das Sich-selbst-neu-Erfinden ist die halbe Miete - es muss sich einfach gut, schön oder bewegend anfühlen. "Elektronik - ja oder nein?" ist bei uns nie eine vordergründige Frage gewesen.

Wie seid ihr auf die Bacharach- und Mancini-Songs gekommen, und gab es schon Reaktionen der beiden?
Ekimas: Lieblingslieder, da wurde nicht lange nachgedacht. Henry Mancini ist leider schon tot. Sein Song kommt im Film "Der Partyschreck" nicht so recht zur Geltung, weil Peter Sellers, während die bezaubernde Claudine Longet den Song zum Besten gibt, sichtbar aufs Klo muss und rumzappelt. Burt Bacharach hat einen Verlag, der darauf achtet, dass mit den Songs kein Unfug gemacht wird. Das hätte beinahe dazu geführt, dass wir ihn nicht hätten veröffentlichen dürfen, weil es wohl seit Jahren ein generelles Übersetzungsverbot gibt. Eine Woche lang waren wir sehr verzweifelt, weil wir nicht damit gerechnet hatten, dass uns irgendwas verboten werden könnte. Blöd von uns, ins Blaue Platten zu pressen und Videos zu produzieren. Nach fieberhaften Verhandlungen mit dem deutschen und dem amerikanischen Verlag konnten wir sie doch noch von unseren extrem lauteren Absichten überzeugen. Vielleicht hat unsere Version ja auch irgendwem in Amerika gefallen. Wir jedenfalls stellen uns vor, Burt hätte uns höchstpersönlich den Segen gegeben.

Eingedeutschte Coverversionen sind ja eher eine Schlager- und Chanson-Geschichte der 60er und 70er. Habt ihr irgendwelche Favoriten aus diesem Feld?
Ekimas: Ich finde ein paar Deutsch singende Engländer gut, zum Beispiel Graham Bonney. Der hat aber seine großen Hits von hiesigen Autoren bezogen, z. B. "Wähle 333" oder "Siebenmeilenstiefel". Alle Erdmöbel finden France Gall super, auf Deutsch und Französisch, und "Frag Den Abendwind" von Françoise Hardy ist auch toll.
Markus: Mein allerliebstes Lieblingslied ist eine Coverversion: Manfred Krug mit Caterina Valente: "Adé".

 

Autor :

Alexander Lazarek