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Vertonte rote Bäckchen
Erdmöbel und Wolke live in Köln
13.09.05 10:00

09.09.05, Köln, Gloria

Wie hübsch. Im Kölner Vielzweck-Saal Gloria ist es kühl und stimmungsvoll. Und da sowohl das Duo Wolke als auch Erdmöbel hier aus der Gegend stammen, wird nicht nur vor Geschmacks- und Geistes-Verwandten gespielt, sondern auch vor Freunden aus dem richtigen Leben. Dementsprechend gelöst und heimelig ist es.

Die freundlichen Indie-Chansoniers von Wolke geben gekonnt, dandiesk und entertainend (man ahnt ein wenig die Begemannsche Schule) ihre Musik zum besten. Und werden ebenso angemessen, gurrend und schnalzend, vom Publikum zurückgeliebt.

Erdmöbel beginnen ihr Set mit einem Song ihres "Altes Gasthaus Love"-Albums: "Anfangs Schwester heißt Ende". Vielleicht ist es die Fertigstellung ihrer neuen Platte "Für die nicht wissen wie", die ihnen so viel Luft unter die Füße legt, jedenfalls wirken sie äußerst gelöst und ausgelassen. Diese Entspanntheit steht ihnen sehr gut, vertonte rote Bäckchen sozusagen. Trotz der Partylaune aber sind sie sehr konzentriert und sorgsam bei der Sache. Auch musikalisch inszeniert man schwelgerisch, das ist schön und stellt auch besonders die neuen Songs wie "Au Pair Girl", "Am Arsch, Welt, Kannst Du Mich Kaputtschlagen" oder das Titelstück in ein bezauberndes Licht. Ganz so als hätte man über alles einen neuen, leichten, weichen Filter gelegt. Dazu trägt ihrerseits eine Posaunistin bei, die die Stücke begleitet. Und sie spielen ihren verdienten Hit "Dreierbahn" und feiern nochmal ihre Lieben ab, in einer langen musikalisch untermalten Danksagung, bei der Sänger Markus Berges die Namen aller an der neuen Platte Beteiligten mit Echo-Effekt vorträgt und Tüftler Eki Mas sie hinterherzwitschert.

Nicht zum ersten Mal an diesem Abend schaue ich zur Bar. Was wohl in den Köpfen der Resident-Barkeeper vor sich gehen mag, die (wahrscheinlich) nicht zum Anlass gekommen sind, sondern zum Arbeiten? Nicht, dass sie kulturlos erschienen, im Gegenteil, aber mir gefällt doch die Idee einer sanften Befremdung. Vielleicht denken sie verträumt: "Was es alles gibt..." Oder auch: "Boah, diese Kölner Irrlichter mit ihrem Experimentalo-Schlager, Junge!" Vielleicht gab es auch hierzu nachher noch Gelegenheit zur Vertiefung, denn die Erdmöbel baten zum weiteren gemeinsamen Feiern nach dem Set. Geschwoft wurde aber auch schon während des Auftritts, das sah ich an den schnuffigen Pärchen links und rechts und merkte es an meiner eigenen, wippenden Schräghaltung. In diese Leichtigkeit hinein kam auch die Zeile des in der Zugabe zuletzte gespielten Songs gerade recht: "Dawei, Dawei, aus Versehn bist Du frei"...

Autor :

Vanessa Romotzky