Die beste Band der Welt hat mal wieder das beste Album der Welt gemacht. Punkt. Das klingt nach subjektiver Schwärmerei? Na gut, dann werde ich mal ein wenig musikkritischer meines Amtes als Musikkritiker walten...

  Fest steht, dass die Musik der Erdmöbel weit oberhalb des "Neuen" Neuen Deutsche Welle-Mainstreams steht. Erhaben über den Zeitgeist der Neo-NDW machen Erdmöbel eigenwillige Musik mit deutschen Texten, die in ihrer Qualität als Lyrik bezeichnet werden dürfen. Mal hermetisch, mal skurril, mal melancholisch, mal optimistisch. Immer geistreich, nie effekthaschend. Für Poser-Mentalität sind Erdmöbel zu erwachsen. Die schwermütige Leichtigkeit des Reims. Fest steht des weiteren, dass das Album "Für die nicht wissen wie" musikalisch ausgereifter ist als die Vorgänger. Die Zusammenstellung der mit Liebe zum Detail arrangierten Tracks ist abwechslungsreicher als die der ersten Alben.

Ich könnte jetzt noch schreiben: Ein Lied ist schöner als das andere, aber dann würde ja erneut die Bemühung um Objektivität zu zerbröckeln drohen. Daher wieder Fakten, Fakten, Fakten: Die Coverversion von "Close to you" der 60er Jahre-Soundtrack- und Easy Listening-Legende Burt Bacharach (bekannt in der Version der Carpenters) wurde vom Komponisten höchstselbst anerkennend gelobt: "Nah bei dir" ist eine der wenigen deutschsprachigen Cover-Versionen des Hits, den Bacharach autorisierte. Ebenfalls eine Cover-Version, welche die nostalgisch-romantische Ader der Erdmöbel offenbart: "Nothing to lose", bekannt aus dem Filmklassiker "Der Partyschreck" mit Peter Sellers, komponiert von Henry Manchini.

So schön und eigenständig die beiden Coverversionen auch sind: Die neuen selbstkomponierten Songs sind mindestens ebenso wertvoll. Eingängig in einem positiven Sinn. Auch wenn "eingängig" heißen kann, dass man ein Lied zweimal hören muss.
Streichelnd, wenn Musik streicheln kann. So intensiv, dass sie den Hörer tätowieren von innen. Markus Berges sensible und markante Stimme trägt unendlich viel zu dieser Intensität bei. Wer einen über seinen Körper krabbelnden Salamander als "den schönsten und einzigen Schmuck" den er je trug erlebt, um ihm dann ein Lied zu widmen, kann dem Hörer eine derart schöne CD schenken. Ein Wechselbad der Gefühle, unsinnig, leichtsinnig, tiefsinnig.

Und nach all der objektiven Kritik sei gestattet zu vermelden: Ich höre jetzt weiter. Mit einer Träne der Rührung angesichts so viel musikalischer Schönheit im Auge und einem Lächeln auf den Lippen.