Wer weiß schon, wie? Und wie soll ich mich überhaupt trauen? Alle persönlichen Indiepopvorbehalte, das Echo aus jener Presse, die ich nur mit spitzen Fingern anfasse, ruft es nicht: »Lass es!«? Und wie leicht würde es fallen, dieser Ansammlung von freundlich grinsenden Menschen ? auf dem Cover als Gruppenbild des Campusalltags ? zuzuwinken und weiterzuziehen? Doch welch überhebliche Dummheit! Der Vermeidungsassistent wird jetzt ausgeschaltet, die Daten zugelassen. Meinetwegen auch jener Schmerz, der so erkennbar durch das Lächeln einiger der Coverhelden hindurchschimmert. Warum sollte es auch so leicht sein? Aber dem mit Lamentieren zu begegnen? Bekannte Schule, die Vorbehalte wollen sagen: »klarer Fall«, würde da nicht die 60's-Pop-Melodie etwas eleganter als anderswo ihren Weg finden ? und dann setzt der Refrain ein, Harmonien schwingen sich auf.

Seitdem wohnt sie hier, diese wankelmütige wie mutige Musik mit all den Formulierungen, die mal platt auf die Nase fallen oder alles, was zu sagen wäre, in ein paar Verse bringen, mit einem Pop, der vieles will und kann und mit manchem doch hadert. Es geht um die Schönheit der Sorgfalt, um Wohlkomponiertes, da machen ihnen wenige etwas vor. Arrangierte Chöre, Harmonium, Mellotron, Bossa, am rechten Fleck in angemessener Entfernung vom Klischee ein inspiriertes Eckchen findend. Dazu spricht Melancholie aus dem Objet trouvé des Alltags. Da findet man Selbstverlorenheit als Geständnis eines wohlbetrachteten Lebens. Doch es zieht die Musik noch näher zu den Objekten, die Band wählt den Blick durch die Lupe, um den großen, leeren Handlungen in abgenutzten Zusammenhängen zu entgehen, und arbeitet präzise mit kleinen, herumschwirrenden Details. Unter der Lupe könnte ihr Werk verglühen, eigentlich keine schlechte Idee, meinen sie, wenn das auch am Vortag der »Discovery«-Landung nicht so romantisch erscheint.

Aber eben davon erzählt diese Versuchsanordnung: Im Angesicht der kleinen und großen Befürchtungen einen Moment der Zuflucht finden, innehalten, abstrahieren, neue Draufsicht finden, in einem Eckchen, mit genügend Platz für große Gesten. Da verbleibe ich, leicht verwirrt und irgendwie daheim.

Oliver Tepel