Bergab nach oben

Aus "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" wird "Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen". So heißt einer der Titel, für deren geniale Namensgebung man der Kölner Band den Ritterschlag erteilen sollte.


Nach ihrem 2003er-Streich "Altes Gasthaus Love" mit so beglückenden Titeln wie "Mit dem falschen Schatz in Venedig" und Zeilen wie "Erst wollte sie nicht/ dann rubbel die Katz/ jetzt ist sie sein Schatz und/ auf ewig", kommt jetzt das neue Album der Band Erdmöbel aus Köln. Und es fängt gleich kryptisch an mit dem Titelsong: "Dieses Lied ist für die/ die die nicht wissen wie/ wo und wer sind die/ für die dieses Lied ist" " das lässt sich wunderbar mitsingen, und doch bleibt da dieses "HÄ"-Gefühl zurück, für das Erdmöbel berühmt-berüchtigt sind.
Unverwechselbar ist diese gekonnte Mischung aus Melancholie, Humor, Kalauern, Drahtseilakten am Rande des Kitsch und Lebensweisheiten, die man sehr gerne nachts um zwei im beheizten Swimming Pool genießen kann. Letztendlich ist das zwölf mal ein "Lied über gar nichts", über den elenden und beglückenden Alltag, über als Metaphern missbrauchte Au Pair-Mädchen und eine Welt, die am besten immer bergab gehen sollte. Sicher, viele werden sagen: das sind doch Besserwisser-Lieder für Soziologie-Studenten, die am Ende dann doch wieder bei Müller for Music einkaufen gehen. Sei's drum. Oder, anders gesagt: "Am Arsch, Welt, kannst du mich kaputtschlagen". So heißt einer der Titel, für deren geniale Namensgebung man der Band den Ritterschlag erteilen sollte. Und der geht nicht auf den Arsch, sondern aufs Köpfchen, mit dem bei dieser Musik agiert wird, die sich auf dieser Platte gerne auch mit dem Instrumentarium des Schlagers der 70er-Jahre kleidet.

Dieses Mal sind sogar zwei Cover-Versionen von Burt Bacharach und Henry Mancini mit dabei - einen Huldigung an die große Zeit des Easy Listening. Erdmöbel bleiben bei aller Ranschmeißerei an Traditionen aber gewohnt unkonventionell und sind immer wieder richtig gut.

Tina Manske