Alles flüchtig und ein bißchen nichtig

Die "Erdmöbel" haben eine CD mit wunderbarer Musik gemacht

Es ist mal wieder Zeit für hymnische Lobgesänge. Eine neue CD der Kölner Band "Erdmöbel" ist zu beklatschen. Titel: "Für die nicht wissen wie". Und für die, die nicht wissen, wovon hier die Rede ist, folgende Erklärung: Seit Jahren schon werkeln vier nach Köln übergesiedelte Westfalen an einer so wunderbaren wie wunderlichen Musik. Markus Berges textet und singt. Ekki Maas spielt diverse Instrumente und bastelt elektronische Klänge zusammen, Christian Wübben sitzt am Schlagzeug, und Wolfgang Proppe betätigt alles, was Tasten hat.

Früher klang das, was aus den Erdmöbel-Kellerräumen im Kölner Eigelstein-Viertel herauskam, noch etwas kraut-und-rüben-rockig und war nur unter Vorbehalten weiterzuempfehlen. Doch vor zwei Jahren erschien die Erdmöbel-CD "Altes Gasthaus Love". Und diese Platte ist ein außergewöhnlich bezauberndes Dokument deutschsprachiger Pop-Musik. Eine größere Vielfalt an musikalischem Witz, einen solchen Reichtum an anrührenden Texten wird man so schnell bei keiner anderen Deutsch-Pop-Band finden.

Freilich sind derlei Qualitäten nicht die allerbeste Voraussetzung für einen massenhaften Umsatz. Und so blieben die "Erdmöbel" ein Geheimtip - allerdings einer, der von allen deutschen Medien weitergeflüstert wird.

Nun also ist das neue Album da, die dazugehörige Tournee läuft an. Und wenn sich die Kritiker nicht allzusehr täuschen, dann wird die CD "für die nicht wissen wie" bald auch von jenen gehört werden, die bisher nicht wußten, wer oder was die "Erdmöbel" sind.

Denn wieder sind den "Erdmöbeln" allerfeinste Lieder-Spielereien geglückt. Und in jedem einzelnen der zwölf Stücke schimmert tatsächlich irgendwie das Glück. Wobei sich Berges natürlich hütet, so platt und direkt vom Glück zu singen, wie das andere tun. Erdmöbel-Stücke handeln vom Kieselstrand, auf dem ein "vor der Zeit entlassenes Au-Pair-Girl" schläft. Von "Russischbrot und Küssen". Oder vom "Rauch der Kleinbetriebe, der in deinen und meinen übergeht". Alles flüchtig, und meist auch ein bißchen nichtig. Aber bei den "Erdmöbeln" beschert sogar ein "Lied über gar nichts" Glücksmomente.

- Erdmöbel: "für die nicht wissen wie", erschienen bei tapete records Andreas Fasel

Artikel erschienen am 11. September 2005