07.09.2010
Kaum eine Platte hat mir dieses Jahr soviel Freude, Herz- und Kopfzerbrechen bereitet wie das neue Erdmöbel-Abum „Krokus". Zu hören, wie diese Band die feinen, elegant gereimten Texte ihres Sängers Markus Berges, die voller schöner, bislang nie gesungener Wörter stecken, mit Bossa-Rhythmen, Bläsern, Perl-Pianos und federnden Bassläufen zum Klingen bringt, ist ein seltenes Vergnügen. Es ist, obwohl diese Texte an sich schon hochmelodisch sind, einigermaßen sinnlos, sie zu zitieren. Sie können nicht ohne die Musik und ohne Berges' angekratzte Stimme. Das heißt: Sie können schon, aber so richtig anders können sie erst mit Musik. Seien Sie gut zu sich und kaufen Sie sich dieses Album. Verschenken Sie es zudem an alle Menschen, die Sie lieben. Man wird es Ihnen danken.

Obwohl die Band und ich in derselben Stadt leben, kennen wir uns nicht. Vor ein paar Monaten jedoch saß ich beim Frühstücken mit einer Dame in einem Café und am Nebentisch saß Erdmöbel-Sänger Berges. Ich halte Berges für einen sehr intelligenten Menschen, und so ertappte ich mich bald dabei, wie ich versuchte, im Gespräch mit der Dame am Tisch nur hochinteressante und intelligent klingende Dinge zu sagen, was mir ziemlich misslang. Berges fand mich sicher komisch, die Dame vermutlich erst recht.

Ach, ich und die Liebe: Erst 1981 Natascha aus meiner Klasse, dann die Geschichte mit Morrissey und jetzt das! 

 

PLAYLIST

Erdmöbel - Krokus

Elvis Costello & The Attractions - Blood & Chocolate (Ich finde den Typen ja schrecklich gestreckt, aber er kriegt mich immer wieder; habe gerade erst diese scheppernde schwer Beatles-beeinflusste 1986er-Platte entdeckt)

Forest Fire - „Fortune Teller" (Killer-Bass. Für Fans von The Walkmen: „So why not kill someone you hate?")

Lucio Battitsi - Il nostro caro angelo (Eine der schönsten Platten des großen freien Cantautore)

Lloyd Cole - Broken Record (Unschlagbar! Der beste singende short story-Erzähler mit seiner schönsten Platte seit „Love Story")

Josh Ritter - So Runs The World Away (sehr gravitätisches Album; es braucht etwas bis man auf den Humor in diesen Liedern stößt)

Eric Pfeils Bücher „Komm, wir werfen ein Schlagzeug in den Schnee - wie die Musik sich selbst abschafft" und „Menschen essen - Haben Musiker überhaupt Gene" können in einschlägigen Paranoia-Buchhandlungen erworben werden.

 

http://faz-community.faz.net/blogs/pop/archive/2010/09/08/der-sarrazin-des-pop-oder-mit-morrissey-im-urlaub.aspx

 

 

Veröffentlicht 08. September 2010, 14:24 von Eric Pfeil