Uebel & Gefährlich: Erdmöbel

Ein Konzert wie eine Ausstellung über das Glück

24. Oktober 2010, 11:53 Uhr

Das Leben mag trivial sein, der Pop der Kölner Band Erdmöbel aber ist schön und kommt viel zu stark von Herzen, um "intellektuell" zu sein.

 

Hamburg. „Die sehen aber alt aus“, raunt eine junge Besucherin ihrer Begleiterin am Freitag im Uebel & Gefährlich zu. Und tatsächlich sind die fünf Kölner Herren von Erdmöbel schon in die Jahre gekommen. 15 Jahre nach ihrer Gründung in Münster erlebt das Ensemble zurzeit seinen zweiten, vielleicht gar ersten Frühling. Das aktuelle achte Album „Krokus“ wurde freudig durch die Feuilletons gereicht, sogar in den Spätnachrichten war Erdmöbel ein Thema. Und dann hat Sänger Markus Berges auch noch ein Buch geschrieben: „Ein langer Brief an September Nowak“. Da lacht das intellektuelle Herz. Und es ist nicht allein.

Das Uebel & Gefährlich überfüllt zu nennen, wäre übertrieben. Aber „zu unserem letzten Hamburger Auftritt kamen nur 80 Männeken“, wie Berges nach dem Auftakt mit „Arbeiten“ und „Ausstellung über das Glück“ gut gelaunt bilanziert. Dass die Gästeliste so lang ist, „dass man sie zum Buchbinder schicken könnte“, ändert nichts an der guten Laune, die Erdmöbels lässige Bossa-Rhythmen und Soul-Harmonien schnell entfachen. Vor allem Bassist Ekki Maas bearbeitet sein altgedientes Gibson-Holz, welches schon den Sound von „Krokus“ dominierte, mit größter Hingabe, während Keyboarder Wolfgag Proppe, Drummer Christian Wübben und Posaunist Henning Beckmann ihre flauschige Klangteppiche weben.

Andere Bands würden mit Texten über „Krokusse“, „Snoopy T-Shirt“ oder die artifizielle brasilianische Hauptstadt „Brasilia“ anecken, Erdmöbel aber sind bei aller Feingeistigkeit eine Band zum Anlehnen. An die Nebenfrau. An den Nebenmann. Zusammen singt man „Nah bei dir“ minutenlang weiter, und das auch noch nach der letzten Zugabe „Das Leben ist trivial“. Ist es das? Vielleicht. Aber schön. Und das Konzert ist klasse, eine wahre „Ausstellung über das Glück“.

Nach 115 Minuten und viel Applaus werden noch ein paar Exemplare von Berges Buch signiert, die Band mischt sich unter das Volk. Alt sieht nur noch der aus, der am Fanartikelstand ein T-Shirt erstehen will: Es gibt nur noch Größe S.

http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1673195/Ein-Konzert-wie-eine-Ausstellung-ueber-das-Glueck.html