Intro 09/10

Deutschpop, der Stehbluestänzer vom Parkett fegt. Widerstand zwecklos.

Gemeinsam sind wir einsam – das war gestern. Denn mit ihrem achten Album treten die Kölner DDR-Särge der Melancholie gehörig auf die Füße. Selbst zu einem Statement wie „Das Leben ist schön“ lässt sich Songdichter Markus Berges hinreißen. Und auch sonst: ein aufgeregtes Klavier im Niederrheinexpress, Bossa-Nova-Flair, bewährtes Easy Listening und das erste Instrumentalstück der Bandgeschichte. Das heißt übrigens genauso wie das Buch, mit dem Berges zeitgleich zum Album debütiert.

Wurde auch Zeit, dass der Mann das macht. Allein wegen Zeilen wie dieser: „Das Haus hat geknistert und verpiss dich geflüstert.“ Da werden Wortklaubereien zum bittersüßen Schmelztiegel und selbst die „Ausstellung über das Glück“ im Hygienemuseum Dresden zum Tanzsalon, in dem die Bläser einem den Rock glatt streichen. So kompakt und selbstbewusst waren Erdmöbel noch nie. Klingt blöd, stimmt aber. Finden auch die Macher: Kompromissloser, direkter, auch „aggressiver“ sei die neue Platte. Adieu Tristesse!

In drei Worten: Niederrheinexpress / Knistern / Easy Listening

Verena Reygers