Erdmöbel veröffentlichen mit der Platte Krokus ein kleines Meisterwerk. Fest steht: Wer auf deutschsprachige Musik mit Tiefgang steht, kommt an dieser Band nicht vorbei, denn die Jungs rund um Dichter und Poet Markus Berges liefern Songs ab, zu denen man tanzen, trauern, feiern und vor Wut schreien möchte. Unser Redakteur Dominik sagt euch, wieso die Platte in Mark und Bein geht und wen die Band mit einem chinesischen Fluch belegt.

Sorpe, Banfe, Schobse, Milz - wer Fluss-Namen aneinander reiht, tritt im schlimmsten Fall im Musikantenstadl auf. Da wundert es einen kaum, dass der entsprechende Song Fremdes bei iTunes im Genre Schlager abgelegt wurde.

Doch wenn Markus Berges diese Worte in den Mund nimmt, bekommt man schon fast eine Gänsehaut, man spürt die Wut, die Auslöser für diesen Song war: Es geht um den Hass auf seine Heimatstadt Köln und insbesondere um das eingestürzte Stadtarchiv. Die Aggression sitzt wirklich tief und durchdringt einen förmlich. Schnell wird klar, dass etwa ein Satz wie Mögest du in interessanten Zeiten leben zwar irgendwie nach Poesie klingt, aber bitterböse gemeint ist. Denn hierbei handelt es sich um einen chinesischen Fluch.

Also ganz gewiss keine Thematik für Karl Moik und Konsorten, denn Erdmöbel sind aus einem Holz geschnitzt, das sich im ersten Moment etwas seltsam anfühlt.

Ist das nun Deutsch-Pop? Oder Rock? Oder hat iTunes wirklich recht und wir bewegen uns im Schlager-Segment? Die Band lässt viele Fragen offen, sei es musikalisch oder textlich. Denn Erdmöbel sind zu vielschichtig, als das man sie einer bestimmten Gattung zuordnen könnte. Pop, Rock, Jazz, Easy-Listening, Bossa Nova, ja sogar etwas schlagerhaftes transportieren die Melodien der Band.

Dennoch bohren sich Textfetzen mit der Zeit so weit in das Hirn, das man sie einfach nicht mehr heraus bekommt. Dort irren dann Wörter wie Rosen, Ochsen, Holz aus dem Song 77ste Liebe herum und erzeugen große Fragezeichen.

Man weiß nicht genau was diese Worte bedeuten, was letztlich auch nicht so wichtig ist, denn Erdmöbel treffen den Zuhörer auf einer sehr emotionalen Ebene, man kann sich von der eigentliche Aussage des Textes lösen und sich voll und ganz auf die Musik konzentrieren. Und es lohnt sich, denn Songs wie Wort ist das falsche Wort, Erster Erster oder Das Leben ist schön will man sofort mitsingen, mitpfeifen, ja sogar miterleben.

Markus Berges, der am Erscheinungstag der Platte gleich noch sein Buch Ein langer Brief an September Nowak veröffentlicht, bestätigt: "Mit der Zeit bekommt man schon mit, um was sich die Texte drehen". Da hat er recht, denn irgendwann hat man sich Erdmöbel so einverleibt, dass es sich einfach nur gut anfühlt. Dominik Hoferer

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