Kölner Stadtrevue 09/10 - Platte des Monats

Musikalisch haben Erdmöbel ihre Meisterschaft im luftig gediegenen Arrangement erweitert. Beeindruckend wie sie mit fuchtelndem Schlagzeug, hüpfendem Bass, perlendem Klavier, schrammenden Gitarren und dahingetupften Bläsersätzen Soundwelten zwischen Beatles, Bossa Nova, Balkan und Burt Bacharach schaffen, die nichts mit schnödem Indie-Pop zu tun haben. Hier sitzt jeder Ton. Mit seinen Texten entwickelt sich Berges immer mehr zu einer Art singendem Christian Morgenstern. Es geht kaum mehr um Zusammenhänge, sondern um die Freude an der Skurrilität der Worte. Ein Song wird mit "Sorpe, Banfe, Schobse, Milz" eröffnet. Erst die Information, dass es sich um Flüsse handelt, bringt Licht in die Dada-Welt. Manche Refrainzeile entwickelt sich zum dreisten Ohrwurm: "Ausstellung über das Glück, im Hygienemuseum Dresden." Und jetzt alle mitsingen!

Oliver Minck