Allgäuer Zeitung 30.05.2007 10:04
Erdmöbel covern Nummer-Eins-Hits

Hamburg (dpa) - Wenn es plötzlich riecht wie Teen Spirit und der Weg nach Mandalay führt, kann das derzeit nur eines heißen: Erdmöbel aus Köln haben zwölf Songs, die hier zu Lande, in den USA oder auch in Finnland die Spitze der Charts besetzt haben, ins Deutsche übersetzt, aufgenommen und zu einem Album versammelt. «No. 1 Hits» heißt es - und hätte selbst Charts-Platzierungen weltweit verdient.

«Riecht wie Teen Spirit» ist natürlich Erdmöbels Version von «Smells Like Teen Spirit», dem Song, der Nirvana 1991 von den Kellerclubs in die Stadien katapultierte. Aus Kurt Cobains Zeile «With The Lights Out It's Less Dangerous» wird «Bei Gefahr das Licht ausschalten» gefolgt von «Wir wollen euch nur unterhalten» - «Here We Are, Now Entertain Us».
«Der Weg nach Mandalay» stammt - ebenfalls natürlich - von Robbie Williams. Daneben gibt es etwa Kylie Minogues «Can't Get You Out Of My Head» als «Aus meinem Kopf», als einziges auch im Original deutschsprachiges Stück Kraftwerks «Das Modell» oder auch den Bee-Gees-Hit «I Started A Joke». Er erlebt seine Neuauflage als «Ich machte nen Scherz». Dabei zeichnet die «No. 1 Hits» gerade aus, dass sie humorvoll, aber keine Scherze sind: Erdmöbel setzen nicht auf den Lacheffekt, wie es bei Coverversionen oft nahe zu liegen scheint.
Im Gegenteil: Mit «Wieder allein, natürlich» covern sie Gilbert O'Sullivans «Alone Again, Naturally», den US-Autor Tom Reynolds im Buch «I Hate Myself And Want To Die» augenzwinkernd, aber passend zu den «52 deprimierendsten Songs aller Zeiten» zählt. Kein Wunder, wird der Protagonist des Stücks, das 1972 Nummer 1 in den USA war, doch von Gott und der Welt verlassen und kann nur lakonisch feststellen: War ja klar, dass mir das passiert!
Konsequenterweise gibt es auf «No. 1 Hits» weder Balladen in Highspeed-Version noch Punkrock-Songs im Lounge-Gewand. Mit Gitarre und Orgel, Horn und Trompete lassen Erdmöbel jedes Original zu seinem Recht kommen, ohne es platt zu kopieren. Das gilt auch für die Übersetzungen der Texte ins Deutsche: Wo der Reim passt, bestens, wo er nicht ganz hinhaut, halb so tragisch - sprichwörtlich gefressen wird hier niemand!
Geradezu anrührend ist «Fahler als nur fahl», die Version des an sich reichlich angestaubten Oldies - Platz 1 im Jahr 1967 in Deutschland und England - «A Whiter Shade Of Pale» von Procol Harum. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass sich Erdmöbel zumindest eine Interpretation gegönnt haben, die sicher alles andere als bierernst gemeint ist: den Eurotrash-Hit «Up And Down» der Vengaboys - Titel hier: «Auf und ab».