Deutschlands beste Band?

"Erdmöbel" – die Band mit dem seltsamen Namen spielt seit 16 Jahren unterhaltsamen, deutschsprachigen Salon-Pop. Jetzt haben sie ihre Lieblingslieder auf der neuen Scheibe "Retrospektive" zusammengestellt.

Für das Feuilleton der "Süddeutschen Zeitung" ist "Erdmöbel" schlicht "die größte deutsche Band unserer Tage", und der "Stern" schreibt, "es fällt schwer, Erdmöbel nicht zu lieben". Die derart Gepriesenen sitzen – in Person von Sänger Markus Berges und Bassist Ekki Maas – in ihrem Büro unweit des Kölner Hauptbahnhofs und lächen sehr entspannt in sich hinein, als Steffen Rüth sie trifft.

Wieso veröffentlicht Ihr jetzt die "Retrospektive" mit 18 Liedern aus allen Perioden eures Schaffens?

MARKUS BERGES: Wir sind mit der Idee schon länger schwanger gegangen. Weil es uns einfach schon so lange gibt und wir so viele verschiedene Alben gemacht haben, hatten wir Lust, mit den alten und neuen Sachen auf Tour zu gehen. Da wir keine Hits im klassischen Sinne hatten, ist das Album eher eine Bestandsaufnahme.

Jahrelang seid Ihr als Geheimtipp unterwegs gewesen, inzwischen aber werden immer mehr Menschen auf Euch aufmerksam.

EKKI MAAS: Ja. Der Erfolg von "Krokus" war ein weiterer Grund für diese Platte. Wir hatten Lust, den Leuten zu zeigen, was wir sonst noch so gemacht hatten. Bei aller Neuerfinderei sind wir "Erdmöbel" geblieben und als solche auf alle unsere Alben stolz.

Man kann Euch keiner bestimmten Stilrichtung zuordnen. "Krokus" war ein erdiges, etwas Sixties-mäßiges Werk mit vielen Bläsern, im Programm habt Ihr jedoch auch Bossa Nova, Rock, Elektropop und vieles mehr.

MAAS: Die permanente Veränderung ist uns sehr wichtig. Es wäre uns viel zu langweilig, immer den selben Stiefel beizubehalten. Ich bin zum Beispiel auch irgendwann von der Gitarre auf den Bass umgestiegen, weil ich Lust dazu hatte.

Was bedeutet Euch der späte Erfolg?

MAAS: Wichtiger als der Erfolg war uns immer die Unabhängigkeit. Wir galten immer, auch bei Plattenfirmen, als Band, der man besser nichts vorschreibt. Und man weiß den Erfolg besser zu genießen, wenn man Ablehnung erlebt hat. Ich erinnere mich dunkel, wie es vor 15 Jahren, als wir als "Erdmöbel" anfingen, hieß "Die sind zu alt". Da waren wir 30.

BERGES: Der gestiegene Zuspruch ist ein alles in allem schönes und neues Gefühl für uns. Die Hallen sind viel größer geworden, und es kommen nicht mehr nur Leute, die vom Aussehen, Alter und Bildungsstand genauso sind wie wir.

Sonst kamen also etwas nerdig aussehende Männer um die 40?

BERGES: Naja, überwiegend kamen die Männer. Mittlerweile würde ich schätzen, dass 40 Prozent Frauen dabei sind. Wir haben uns nie als Indie- oder Nischenband gesehen. Und wenn wir so wahrgenommen wurden, dann hat uns das immer geärgert. Wir haben nicht den Impuls, nur für die coolen Leuten spielen zu wollen. Wir sind Popmusiker.

Markus, Du hast zuletzt auch einen Roman veröffentlicht, "Ein langer Brief an September Nowak" heißt der. Auch bei Euren Texten fällt auf, dass Lyrik und Romantik eine wichtige Rolle spielen. Sind "Erdmöbel"-Songs Kurzgeschichten?

BERGES: Weiß nicht. Viele unserer Lieder haben keine direkten Aussagen. Wenn man ein Stück wie "Fremdes", in dem es um die Schönheit im Hässlichen geht, romantisch findet, dann machen wir wohl Romantik. "Fremdes" handelt von Köln, unserer Wahlheimat. Es ist sehr unaufgeräumt, hat viele hässliche Ecken und ist total durcheinander. Wir lieben die Stadt.

Ist ein gewisses Bildungsniveau Voraussetzung, um mit Euren Songs etwas anfangen zu können?

BERGES: Ich hoffe und denke nicht.

MAAS: Es ist herrlich, wenn die Sieben- oder Achtjährigen in der ersten Reihe stehen und alles mitsingen. Die finden unsere Texte toll, ohne das Problem zu haben, unbedingt wissen zu wollen, was wir meinen. Die Kinder beweisen, dass man kein Abitur braucht, um "Erdmöbel" gern zu haben.