Erdmöbel – Retrospektive

21 September 2011

Zloty Vazquez

Über Erdmöbel ist schon so vieles geschrieben und gesagt worden. Was kann man nun noch hinzufügen? Erdmöbel sind nach all den Jahren ein Geheimtipp geblieben. Punkt. Da kann man sagen, was man will und viele finden das gut. Oft wünscht man sich ja, dass die eigene Lieblingsband nur für sich in der Wohnküche existiert und Worte nur für einen selbst singt. Erdmöbel sind ein guter Freund. Egal ob in der Trauer oder beim Größenwahn mit einer Flasche Wein.

Nun liegt die Retrospektive vor, die dem wahren Fan eine schöne Zusammenstellung bietet und dem Ahnungslosen Material aus allen Schaffensphasen der Band ins Ohr legt. Mit Best Of-Platten ist es immer schwierig umzugehen. Legt man sie ein, dann findet man meistens die bekannten Hits, sucht aber oft vergebens nach den eigenen Lieblingsliedern oder den versteckten Kleinoden der Alben. So ist es auch hier. Man hört ein Stück und denkt sofort an ein anderes, das jetzt genau passen würde. Man kramt die alten Alben raus und hat die Retrospektive vergessen. Man verliebt sich neu in vergessene Worte und hört per Zufall ganz neue Seiten.

Auf alle Fälle muss man Erdmöbel für ihren Einsatz der letzten Jahre loben. Ich weiß noch, wie ich damals beim Konzert zur ihrer ersten Platte von Markus Berges Art zu singen begeistert war. Wie er mit Worten umging, dem typischen Indie-Sound der Zeit eine Nase zeigte und fast hippieesk seine Musik darbot. In all der Zeit haben sich Erdmöbel weiterentwickelt, aber nicht verbogen. Sie gaben sich Coverversionen bekannter Songs hin und zelebrierten luftige Ausflüge in den Bossa Nova. Ihre Musik schrammt bis heute die Beatles mit Ehrfurcht und doch sind die Songs in ihrer Anmut nicht immer greifbar. Vieles fliegt auf leichtem Papier davon. Während du noch rätselst, gibt dir ein Backing-Chor ein persönliches Ringelpietz mit Anfassen.

Der Rock wurde in den Jahren abgelegt, neue Ideen, um die Gedanken Berges’ mit Musik zu unterlegen, sind in den Vordergrund getreten. Neuer Pop wurde erschaffen, der sich manchmal an der Tanzfläche vorbeischlängelt oder der Ballade das Taschentuch entzieht. Erdmöbel werden immer eine Rolle in der deutschen Musikszene spielen, egal wie viele Jahre sie dies noch beabsichtigen zu tun. Man wird wohl mit ihnen alt werden. Ein Shanty auf die gemeinsamen Narben, die man wohl zu pflegen gedenkt!

Für Einsteiger ist die Retrospektive wie ein warmer Sommerabend und für Fans eine Erinnerungsstunde, die einem neue Gedanken schenkt und glücklich stimmt, diese tolle Band für sich entdeckt zu haben. Vor dem Schlafengehen murmelt der wahre Fan noch schnell ein paar lose Zeilen aus dem Oeuvre Berges’. Mit einem Gespür für Großartiges lässt es sich am besten träumen.

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